Von der weißen Kachel zum Resort: Die Geschichte der Spreewelten
Steven SchwerdtnerVeröffentlicht 02. Mai 2026
Inhaltsverzeichnis
- Mitten im Spreewald
- 1999: Der Anfang – Kristall statt Spreewald
- 2007: Ein Neuanfang mit Mut zur Klarheit
- Die Wandzeitung und der rote Stift
- Die Pinguine – eine Idee, die alles veränderte
- Das Schwimmen mit Pinguinen – eine Welt für sich
- Ein Resort entsteht: Erlebnis auf 6.000 Quadratmetern und mehr
- Was wirklich zählt: Menschen und Vertrauen
Mitten im Spreewald
Lübbenau liegt mitten im Spreewald, eingebettet in das UNESCO-Biosphärenreservat, umgeben von Fließen, Erlen und dem leisen Rauschen des Wassers, etwa 80 Kilometer südlich von Berlin.
Jedes Jahr kommen Millionen Menschen in diese einzigartige Naturlandschaft: Allein vom Großen Spreewaldhafen in Lübbenau starten rund 400.000 Besucher jährlich ihre Kahnfahrt durch den Spreewald. Die Stadt selbst zählt rund 16.500 Einwohner und ist trotzdem längst mehr als ein beschaulicher Ausflugsort. Denn hier, mitten in diesem kleinen Ort, ist etwas entstanden, das weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit erregt: die Spreewelten. Eines der bekanntesten Erlebnisbäder Deutschlands. Über 330.000 Gäste im Jahr. Und eine Geschichte, die erzählt werden will.
1999: Der Anfang – Kristall statt Spreewald
Alles begann mit dem Kristallbad. 1999 eröffnet, war es eines der ersten Erlebnisbäder überhaupt in Brandenburg, ein echter Pionier. Weiße Fliesen, Kristalle, ein paar Palmen, und eine bereits damals beeindruckende Saunaanlage. Familien kamen, Saunagänger kamen, und das Bad hatte durchaus seinen Charme.
Aber etwas fehlte: der Spreewald selbst. Das Bad hätte genauso gut in Potsdam, Cottbus oder Hamburg stehen können. Eine Seele, eine regionale Identität, das suchte man vergebens.
Lübbenau hatte zu dieser Zeit gerade eine schwierige Phase hinter sich. Nach der Wende hatte die Stadt vom Strukturwandel profitiert, Tourismus auf der einen, Bergbau und Kraftwerke auf der anderen Seite. Doch als die Kraftwerke Mitte der 90er Jahre schlossen, zogen viele Menschen weg. Leerstand. Stille. Die Stadt konzentrierte sich mehr und mehr auf den Tourismus. Heute kommt fast die Hälfte aller Gewerbesteuereinnahmen aus diesem Bereich. Das Bad war dabei ein wichtiger Schlüssel: Der Spreewald war bis dahin ein Ort für Sonnentage. Das Bad machte ihn ganzjährig erlebbar.
2007: Ein Neuanfang mit Mut zur Klarheit
Im Jahr 2007 übernahm die Spreewelten GmbH den Betrieb, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (WIS Wohnungsbaugesellschaft im Spreewald mbH). Ein ungewöhnliches Konstrukt, das sich aber als großer Vorteil erweisen sollte: Die enge Partnerschaft mit der Stadt Lübbenau ermöglichte es, Ideen schnell und vertrauensvoll umzusetzen. Kein Gegeneinander, sondern echtes Miteinander.
Damals zählten wir 180.000 Gäste im Jahr. Gut, aber nicht gut genug. Und vor allem: Familien mit kleinen Kindern fehlten zunehmend.
Also setzten wir uns hin und fragten uns: Was wollen wir wirklich sein?
Die Antwort begann mit einer großen Wandzeitung.
Die Wandzeitung und der rote Stift
Wir haben alle Konkurrenzbäder im Umkreis von mehr als 100 Kilometern aufgelistet. Jede Attraktion, jede Rutsche, jede Wellenbahn, alles aufgeschrieben. Eine riesige Liste. Und dann haben wir einen großen roten Stift genommen und alles durchgestrichen.
Denn warum sollte jemand 100 Kilometer fahren, um etwas zu erleben, das es bei ihm um die Ecke schon gibt?
Wir wollten kein beliebiges Spaßbad sein. Wir wollten einzigartig sein. Und wir wollten den Spreewald endlich nach innen holen. Die Frage war: Mit welcher Idee? Mit welchem Herzstück?
Die Pinguine – eine Idee, die alles veränderte
Es war die Zeit von Knut, dem kleinen Eisbären im Berliner Zoo, der ganz Deutschland in seinen Bann gezogen hatte. Tiere, so wurde uns klar, wecken Emotionen wie kaum etwas anderes. Parallel dazu zeigte eine Umfrage aus dem Dresdner Zoo: Der beliebteste Publikumsmagnet war der Pinguin. Platz 2 zwar, hinter dem Elefanten. Aber der Elefant wäre dann doch etwas unhandlich geworden.
Der Pinguin hingegen: klein, charmant, wassernah, und mit einem natürlichen Talent für das Komische. Perfekt für Kinder. Perfekt für uns.
Aber, und das war uns von Anfang an heilig, wir wollten das nicht als Marketing-Gag. Wir wollten wirklich Verantwortung übernehmen. Also wurden wir zuerst Experten, bevor wir irgendetwas ankündigten. Wir sprachen mit Zoos, mit Tierschützern, mit Architekten. Wir entwickelten die modernste Pinguinanlage Europas. Erst als Fachleute sie abnahmen und für vorbildlich erklärten, öffneten wir die Türen.
2008 zogen die Pinguine ein. Und mit ihnen zog etwas Besonderes in die Spreewelten ein: Magie.
Heute leben unsere Pinguine mit drei eigenen Tierpflegern, ohne Dressur, ohne Bespaßungsshow, einfach so, wie Pinguine eben sind. Watschelnd, neugierig, manchmal ein bisschen albern. Und genau das lieben unsere Gäste.
Das Schwimmen mit Pinguinen – eine Welt für sich
Gemeinsam mit dem renommierten Berliner Erlebnisarchitekturbüro dan pearlman haben wir das Konzept des Schwimmens mit Pinguinen zu dem entwickelt, was es heute ist: ein einzigartiges Erlebnis, das es so nur bei uns gibt. Man schwimmt, und die Pinguine sind dabei. Durch Unterwasserscheiben, durch eine durchdachte Anlage, die Tierwohl und Gästeerlebnis in perfekter Balance hält.
Kein anderes Bad in Deutschland kann das bieten. Das ist unser USP (Abkürzung für Unique Selling Point), und er funktioniert bis heute.
Ein Resort entsteht: Erlebnis auf 6.000 Quadratmetern und mehr
Doch die Spreewelten sind längst mehr als ihre Pinguine. Rund um das Herzstück ist ein echtes Resort gewachsen.
Die Badewelt selbst wurde komplett neu gedacht. Die Therme wurde zum Spreewald 360°, einer Auenlandschaft zum Eintauchen, mit dem Gefühl, auf einem Fließ durch den Wald zu treiben, untermalt vom Klang der Natur unter Wasser. Dazu kamen die weltweit ersten Smart Slides: interaktive Rutschen, die sich per Smartphone personalisieren lassen, in Farbe, Licht, Musik und Effekten. Man kann gegen Freunde antreten, Zeiten teilen, Rekorde brechen. Wir waren die Ersten. Das macht uns stolz.
Die Saunawelt ist ein Kunstwerk für sich. Auf fast 6.000 Quadratmetern haben wir gemeinsam mit dem Künstler Steffen Merten ein Spreewald-Dorf erschaffen, das seinesgleichen sucht. Ein Bauernhof mit Geschichte, wo ein Zitronenkürbiszüchter zu Hause ist, und man in uralten Häusern schwitzt, die zum Teil über 300 Jahre alt sind. Der Schweinestall, die Gurkensauna, die Lutkihöhle, die gute Stube, 14 Themensaunen, jede ein Erlebnis. Eine unserer Scheunen wurde sogar original aus Burg im Spreewald hierher versetzt und wieder aufgebaut. Wir sind damit eine der größten Saunalandschaften in ganz Ostdeutschland.
Das Spreewelten Hotel komplettiert das Resort. 60 Zimmer für bis zu 220 Gäste, direkt verbunden mit Bad und Sauna über den Bademantelgang, einem der schönsten Privilegien unserer Hotelgäste. Morgens aufwachen, Bademantel überwerfen, ins Wasser. Abends in der Gutshausbar den Tag ausklingen lassen. Die Zimmer selbst atmen den Spreewald: Alkoven, Pinguin-Motive, Naturholz. Ein Zuhause auf Zeit.
Als wir das Hotel planten, gab es Skepsis. Würden wir anderen Gastgebern in der Region Gäste wegnehmen? Die Antwort kam schnell: Nein. Bereits im ersten Jahr addierten sich alle Übernachtungen eins zu eins zur regionalen Statistik. Wir haben neue Gäste gebracht, keine abgeworben. Heute liegen wir bei einer Auslastung nahe 90 Prozent, Zahlen, die wir selbst nicht zu träumen gewagt hätten.
Was wirklich zählt: Menschen und Vertrauen
330.000 Gäste. 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Bad, Gastronomie und Hotellerie. Die Stadt Lübbenau trägt als Eigentümerin große Investitionen in das Bad und bekennt sich damit klar zu diesem Standort. Den Geschäftsbetrieb selbst subventioniert sie nicht, im Gegenteil: Wir zahlen eine ordentliche Pacht und stärken den Tourismus der gesamten Region. Aber Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte.
Die Füchse Berlin, amtierender deutscher Handball-Meister, verbringen seit sieben Jahren ihr Trainingslager bei uns. Stammgäste kommen Jahr für Jahr zurück und fragen: Wie geht es Pinguin Volti, oder anderen? Familien, die als Kinder zum ersten Mal ins Wasser stiegen, kommen heute mit eigenen Kindern wieder.
Das ist es, was uns antreibt. Nicht der nächste Umbau. Nicht die nächste Attraktion. Sondern das Gefühl, das Menschen mitnehmen, wenn sie die Spreewelten verlassen: Das sie hier etwas erlebt haben, das es nur hier gibt. Mitten im Spreewald. In Lübbenau. In einem Ort, den manche für zu klein hielten, um groß zu sein.
Wir sehen das etwas anders.
Lust, selbst Teil dieser Geschichte zu werden? Wir freuen uns auf euren Besuch, die Pinguine auch.
Zusammenfassung
Die Spreewelten Lübbenau gehören heute zu den bekanntesten Erlebnisbädern Deutschlands. Begonnen hat alles 1999 mit einem klassischen Kristallbad ohne klare regionale Identität. Erst ab 2007 entstand mit einer mutigen Neuausrichtung ein einzigartiges Konzept mit starkem Spreewald-Bezug.
Der entscheidende Schritt war die Idee des Schwimmens mit Pinguinen – ein bis heute einzigartiges Erlebnis. Ergänzt durch Therme, innovative Rutschen, eine große Saunalandschaft und das Spreewelten Hotel entwickelte sich ein ganzheitliches Resort, das jährlich über 330.000 Gäste begeistert und den Tourismus im Spreewald nachhaltig stärkt.

